Waldlichtung

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Gelsenkirchen-Buer

Am Spinnweg 6 | 45894 Gelsenkirchen

Im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.

 

Gemeindeinfos am 04.01.2026

Link zum aktuellen Gottesdienst

 

https://youtu.be/LOh38KvdXjo

 

Termine:

Di, 06.01.

19.00 Uhr

Bibelgespräch Online

Gemeindeleitung

Mi., 07.01.

14.30 Uhr

Open Church

Fr, 09.01.

9.30 Uhr

Krümelrunde

So, 11.01.

10.30 Uhr

Gottesdienst

10.00 Uhr

Gebet vor dem Gottesdienst

Ausblick:

So., 18.01

10.30 Uhr

Taufgottesdienst

Sa, 31.01.

10.00 Uhr

Werkstatt Gemeinde, u.a. mit Leitungsteamwahl

So, 01.02.

Mitgliederversammlung nach dem Gottesdienst

Die heutige Kollekte ist für unseren Gemeindehaushalt bestimmt.

Kontakt zum Pastor: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

Predigt 04.01.2026

Timo Henkel

Liebe Gemeinde, sind alle noch da? Ganz schön schockierend, wenn plötzlich jemand kommt und alles verändert. Dinge einreißt, neu macht. Dinge kaputt macht, um neues zu schaffen. Dinge die altgewohnt sind. Die man schön findet, oder die man einfach nur kennt, weil sie immer schon da waren. Dann zu sagen „alles was ich hab, lass ich los“ wie Peter Fox in dem Abrisssong von gerade ist mehr als mutig. „Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ Alles ist ziemlich viel, ziemlich umfassend, würde ich sagen. Alles schließt „alles“ ein. Diese Worte der Jahreslosung stammen aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung. Und dort aus dem vorletzten Kapitel. Wir sind also fast ganz am Ende der Bibel, in einem Teil, der uns vielleicht fremder ist als andere Teile. Weil er nicht von etwas vergangenem erzählt, etwas was 2000 Jahre oder mehr zurückliegt. Im Gegenteil, das Buch erzählt von dem, was denn kommen soll, wenn die Menschheitsgeschichte ihrem Ende zugeht. Wenn Gott sein Plan mit uns Menschen vollendet hat. Und dabei ist dieses Buch auch manchmal nicht zimperlich. Es wird der finale Kampf gut gegen böse beschrieben, und da muss man schon das eine oder andere Mal schlucken. Da wird mehr zerdeppert als ein kleines Tischchen. Bis es am Ende heißt: Jetzt mache ich alles neu. Das was früher war, die Welt wie sie früher war, existiert nicht mehr. Es gibt auch kein Leid mehr, keine Schmerzen, nichts Schlimmes auf der Welt. Wow, das muss man erstmal verdauen. Ein kompletter Neuanfang. Dabei steckt ja eigentlich die ganze Bibel voller Neuanfänge mit Gott. Von der Schöpfung, über Noah, Abraham, Mose und schließlich Jesus. Immer wieder wagt Gott einen Neuanfang. Obwohl die Menschen ihn auch immer wieder enttäuscht haben. Gleichzeitig sehen wir eine Entwicklung der Neuanfänge. Gott wählt sein Volk, gibt ihm Gebote und sorgt schließlich mit Jesus dafür, dass die ganze Welt von ihm erfährt. Alle diese Neuanfänge waren nötig, damit wir Gott besser verstehen und mit ihm in Verbindung bleiben können. Dennoch ist der in der Offenbarung beschriebene Neuanfang anders als die anderen vorher, denn er ist der radikalste. Genau wie im Schöpfungsbericht beginnt der Vers damit, dass Gott spricht. Logos im griechischen. Gott spricht. Und wenn Gott spricht, ist das nicht nur reine Informationsvermittlung. Genau wie in der Schöpfung, ist damit ein kreativer Prozess gemeint, der neues hervorbringt. Gott spricht und etwas Neues geschieht. Es beginnt eine neue Schöpfung. Die erste Schöpfung war ein Garten mit allen möglichen Pflanzen und Tieren. Die zweite Schöpfung wird in diesem Vers, sowie in den weiteren Versen des Kapitels beschrieben. Die Jahreslosung ist Teil dieses neuen Schöpfungsberichtes. Was auffällt: Die neue Schöpfung wird beschrieben als Stadt, die aus dem Himmel herabkommt, das finden wir zum Beispiel im zweiten Vers des 21. Kapitels: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann“. Die Vorlage der zweiten Schöpfung ist also ein sehr menschliches Produkt, eine Stadt. Das hat den Vorteil, dass wir uns zum einen diese neue Welt leichter vorstellen können. Bei einer goldenen Stadt hat ja jeder direkt ein Bild vor Augen. Zum anderen wird klar: Ja, es ist neu. Gleichzeitig errichtet Gott eine menschliche, gar nicht „neue“ Art der Wohnstätte. Denn Städte gibt es ja nun mal schon sehr lange in der Menschheitsgeschichte. Ja, es ist alles neu. Aber es ist nicht fremd. Im Gegenteil. Das Gute der ursprünglichen Schöpfung wird herausgehoben, gereinigt, verwandelt – und daraus entsteht etwas Neues, von dem Gott wieder sagen kann: „Es ist sehr gut.“. Und, die Tore der Stadt stehen immer offen, Niemand wird ausgeschlossen. Alle Völker, alle Menschen sind in dieser Stadt zu Hause. Außerdem ist interessant von wo aus Gott seinen kreativen Schöpfungsprozess steuert. „Der, der auf dem Thron saß“. Da ein Großteil der Offenbarung im Himmel spielt, wird Gott in diese Buch oft so beschrieben, gleichzeitig ist klar: Er hat das Heft in der Hand, ist der unbestrittene Boss. Der Thron ist ein ziemlich eindeutiges Bild für Autorität und Herrschaftsanspruch. Für denjenigen, der die Kontrolle hat und im Chefsessel sitzt. Die Worte, die demjenigen folgen, können also gar nicht wichtiger sein, sie kommen mit höchster Priorität und mit höchster Wirkungsmacht. Mehr als Thron geht nicht. Gleichzeitig beschreibt aber der dritte Vers in diesem Kapitel etwas, was auf den ersten Blick so gar nicht mit dem Bild des Chefs auf dem Thron zusammenzupassen scheint: „Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker[1] sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein“ Gott mit der maximal ausgestatteten Schöpfungsmacht und Autorität spricht und errichtet eine Hütte. Seine Hütte. Wobei man sagen muss, Luthers Übersetzung war an dieser Stelle nicht ganz korrekt. Das griechische Wort an dieser Stelle bedeutet eigentlich Zelt. Also, nochmal zusammengefasst: Die höchste Autorität der Universums, der der alle Macht hat und auf dem Throns sitzt, wohnt in der Stadt der Menschen. Nicht in einem Palast. Nicht in einem Haus. Nicht in einer Hütte. Sondern in dem Ding, dass kaum eine einfachere und schlichtere Wohnung sein kann. Ein Zelt. Und wir haben ja vorher schon gehört, dass es sich um eine prachtvolle Stadt handelt. Goldene Häuser und Stadtmauern, mit Edelsteinen verzieht. Und der König dieser Stadt wohnt darin nicht etwa in einem ebenso prachtvollem Palast. Sondern in einem Zelt. Dieses Bild ist ein radikaler Bruch im Vergleich zu den sonstigen Bildern aus der Offenbarung, wie eben das Bild des erhöhten Chefs auf dem Thron. Ja, Gott ist der Allmächtige Herrscher auf dem Thron der alles in der Hand hält. Der die ganze Autorität hat. Gleichzeitig ist er auch derjenige, der uns näher gar nicht sein kann, der in eine Zelt wohnt, statt in einem Palast. Sicherlich ist dieses Bild vom Zelt auch eine Anspielung auf die Stiftshütte des Volkes Israels. Auch diese „Hütte“ war eigentlich ein Zelt, in dem Gott wohnte, in der Zeit der Wüstenwanderung, und auch noch danach. Auch hier, mitten unter seinem Volk. Später wurde der Jerusalemer Tempel gebaut, der dieses Zelt ersetzt hat. Das macht es umso bemerkenswerter, dass im neuen Jerusalem aber wieder von einem Zelt die Rede ist, nicht von einem Tempel. Und ein weiterer Unterschied fällt auf: „Er wird bei Ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein“. Im neuen Jerusalem ist von Völkern die Rede, also von allen Menschen. Wohnte Gott in der Stiftshütte noch als Gott des Volkes Israel, so ändert sich das im neuen Jerusalem. Alle Völker können zu ihm kommen, alle wohnen in der neuen Stadt. Spannend, ohne Frage. All das ist natürlich ein Bild, vielleicht aus einer fernen, oder nicht allzu fernen Zukunft? Etwas, was ja dann doch wenig mit uns zu tun hat? Das Neue, was gemacht wird, geht ja von Gott aus, nicht von uns. Berichtet dieser Vers also von etwas, auf das wir uns freuen können, wo aber gleichzeitig klar ist, dass wir uns erst einmal zurücklehnen und abwarten können? Das Abrissteam kommt schon früh genug. Vielleicht nicht ganz. Auch wenn natürlich die Intention klar ist, dass uns das neue Reich Gottes gezeigt werden soll. Ein Reich in dem er, trotz Thronautorität, ganz nah bei uns Menschen ist. Es steckt aber noch mehr dahinter. „Ich mache alles neu“. Das Wort machen, hat im ursprünglichen griechischen Text eine Bedeutung, dies sich im deutschen schwer wiedergeben lässt. Es meint einen zukünftigen, aber auch einen gegenwärtigen Prozess. Also, ich mache alles neu, auch jetzt gerade schon. Obwohl, das was ich neu mache noch nicht sichtbar ist. Meine Eltern hatten früher einen Gemüsegarten. Ich selber habe nicht wirklich einen grünen Daumen, aber ich habe damals gemerkt, wie viel denn eigentlich passiert, ohne dass wir es sehen. Das neu machen ist ein langer Prozess, vom Einpflanzen, übers Gießen, vielleicht stutzen oder Vögel verjagen, bis hin zum Ernten. In der meisten Zeit dieses „Schöpfungsprozesses“ ist das neue noch gar nicht zu sehen. Und ihr seht, wir landen immer wieder bei Gott und Jesus, denn auch er verwendete den Begriff der Ernte. Das Neue wächst schon, es wächst allerdings lange unter der Erde. Gott sagt: Ich mache gerade schon neu. Du siehst es aber vielleicht noch gar nicht. Vielleicht weil es noch Zeit braucht. Vielleicht aber auch, weil das was ich vorhabe, groß und überwältigend ist. Und es den richtigen Zeitpunkt benötigt um zu kommen. Ich stelle fest, dass vieles aus dem Text doch gar nicht in so ferner Zukunft liegt, sondern heute greifbar ist. Gottes Zelt ist unter uns, offen. Auch wenn es nicht bildlich so ist, wie im Predigtext. Natürlich wird es einen Unterschied machen, wenn ich eines Tages leibhaftig in das Zelt Gottes gehen kann und ihm gegenüberstehe. Aber um in Gottes Gegenwart zu kommen, muss ich nicht auf diesen Tag warten. Ich kann es auch jetzt schon jederzeit, weil Jesus die Brücke zu Gott geschlagen hat und wir durch seinen heiligen Geist dauerhaft in Kontakt sein können. Ich muss nicht warten, bis irgendwann einmal wirklich alles neu ist. Und sprichwörtlich das passiert, was Gott uns verheißen hat: Kein Leid mehr, kein Schmerz und ewiges Leben mit ihm. Ja, das gibt es noch nicht. Da muss erst noch das Renovierungskommando kommen. Aber ich darf wissen, das trotz allem, was sich negativ entwickelt, trotz und gerade wegen dem, was in der Welt schlecht läuft, das gute schon längst gepflanzt ist. Und natürlich kann ich mit meinen begrenzten Mittel darauf hinarbeiten, dass die Menschen das sehen und das ich das Gute, was Jesus getan und vorgelebt hat zum Vorbild nehme. Alles neu – auch ein perfekter Leitvers für gute Vorsätze zum neuen Jahr. Oder aber auch, dafür, sich darauf zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Was für dich anliegt und kommt im neuen Jahr. Vielleicht möchtest du das Zelt in deiner Mitte, in dem Gott wohnt, weiter und tiefer entdecken? Vielleicht möchtest du darauf hin arbeiten, dass das Neue und Gute, Gottes Herrschaft, sich jetzt schon entwickeln kann? Hier und heute in Buer. Vielleicht möchtest du einen Samen pflanzen, von dem erst einmal keiner etwas merkt, der aber später einmal aufgehen soll und Menschen bereichern soll? Viele Dinge, die du dir vornehmen kannst. Viel „neues“ was sich lohnt mit Gottes Hilfe anzugehen. Dafür wirst du dich in einem späteren Teil des Gottesdienstes persönlich Segen lassen können. Und ich bin mir sicher, Gott wird das seinige zu allem neu gepflanzten dazu geben. Amen.