Immer wieder Sonntags ...

An dieser Stelle findet Ihr immer den aktuellen Sonntagsbrief und eine Videoaufzeichnung des aktuellen Gottesdienstes.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Anschauen!

ein Link zum Video-Gottesdienst

        Gottesdienst am 28.02.2021

 

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Gelsenkirchen-Buer

Am Spinnweg 6 | 45894 Gelsenkirchen

Im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.

28. 02. 2021 • Sonntagsbrief

 

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit.

Psalm 25,6

 

Liebe Gemeinde,

 

hiermit erhaltet ihr nun den Link zur Aufzeichnung

des Gottesdienstes sowie den Text der Predigt.

Ein gesegnetes Wochenende und herzliche Grüße!

Eure Christine Schultze

 

Verkündigung

Leere im Leben hat Folgen (u.a. Eph. 5,18)

Gern nehme ich den Faden der letzten Predigt auf. Kay Makschin hat zum Thema „Gesundheit“ gesprochen und ausgeführt, dass es für die Gesundheit förderlich ist, wenn das sog. Kohärenzgefühl stark ist. Das meint: Wenn mir das eigene Leben verständlich ist, ich es bewältigen kann und es als sinnvoll erlebe, dann tut mir das gut und hilft mir, gesund zu bleiben. Hier möchte ich anknüpfen: Was gibt dem Leben Sinn. Und was ist das überhaupt? Lebenssinn?

Die Corona-Pandemie lässt Probleme, die es schon vorher gab, viel schärfer hervortreten – so hören wir immer wieder. Nun, jede Krise tut das – nicht nur Corona. Das Besondere ist, dass wir das nun gemeinsam erleben. Was sonst einen einzelnen Menschen aus der Bahn wirft, wirft nun eine ganze Gesellschaft, ja irgendwie die ganze Welt aus der Bahn. Bleiben wir aber hier bei uns. Wir sind neu und anders mit der Frage konfrontiert, was unserem Leben Sinn und Ziel gibt.

Provisorium ohne Termin

So ganz praktisch leben wir ja alle – mehr oder weniger – in Provisorien. Das Wohnzimmer wird zum Klassenraum, das Schlafzimmer zum Büro. Videokonferenzen ersetzen Sitzungen und Gruppentreffen. Wir telefonieren statt uns zu treffen, gehen zu zweit spazieren statt Party mit vielen. Manches ist schwer, manches nervt und auch wenn es gut geht, ist es doch nicht das Eigentliche. Wir alle warten darauf, dass die Provisorien endlich überflüssig werden und wir wieder „richtig“ leben können.

Wir leben seit Monaten im Ungewissen. Das Ungewisse ist für uns sogar noch relativ überschaubar, denn wir wissen, dass mit zunehmender Impfung und Wärme, die Pandemie eingegrenzt werden kann. Da gibt und gab es ungleich krassere Situationen! Ein psychologischer Forscher hat einmal die Lebensweise in einem Konzentrationslager als „provisorische Existenz“ bezeichnet. Viktor Frankl, der später ein berühmter Neurologe und Psychiater wurde, hat die Qualen im Konzentrationslager selbst erlebt und mit psychologischer Neugier und Fachkompetenz sich selbst und seine Mithäftlinge beobachtet. Er greift den Begriff „provisorische Existenz“ auf und ergänzt ihn. Diese Lebensweise im Lager ist ein Provisorium ohne Termin. Keiner weiß, wann es endet. Das macht Unerträgliches zusätzlich schwer.

Und er zieht diesbezüglich einen Vergleich zu Arbeitslosen, die eben auch in einem „Provisorium ohne Termin“ leben. Das ist ein großer seelischer Druck und es ist zynisch zu meinen, Arbeitslose würden endlosen Urlaub genießen. Oder ich denke an die Geflüchteten, die in einem Provisorium ohne Termin leben, wenn sie keine endgültige Aufenthaltserlaubnis haben. Ungewiss, wann der nächste Anhörungstermin ist. Ungewiss, wie die Entscheidung ausfallen wird. Ungewiss, wie die Zukunft sein wird. Ich habe hohen Respekt davor, wie unsere internationalen Freunde diese Situation aushalten und bewältigen. Das ist stark!

Wir alle haben einen winzigen Geschmack davon bekommen, was es heißt: provisorisch zu leben ohne Termin. Nicht zu wissen, wann diese Pandemie endet. Wann Kinder wieder regulär betreut werden und Geschäftsleute wieder Geld verdienen können. Für manche ein riesiger Druck, der sich auch äußert. Wundern wir uns also nicht über zunehmende Ungeduld und manches aggressive Verhalten. Und manchmal auch Rückfall in kindliches Verhalten: „Warum sagt niemand, wann es vorbei ist?“ Tja, weil es niemand weiß…

Krisen stellen den Sinn, den ein Mensch bisher in seinem Leben sah, in Frage. Das geht auch vielen Christen so – da helfen die besten theoretischen und geistlichen Einsichten oft nicht weiter. Ich selbst habe das am krassesten erlebt, als mein Mann gestorben ist. Es hat mich radikal vor die Frage gestellt: Welchen Sinn macht dein Leben noch? Diese Frage brannte in mir, obwohl ich glaubte. Ich habe mit Gott gerungen und mit dem Leben. Ein schmerzhafter Prozess mit Hoffen und Verzweifeln, auf und ab.

Die Frage nach dem Sinn drängt sich auf, wenn jemand seine Arbeit verliert oder seine Gesundheit, eine wichtige Beziehung, einen geliebten Menschen…

Die Leere im Leben (existentielles Vakuum)

Noch einmal zu Frankl. Er beobachtet an den Lagerinsassen: Sinkt der Mut und verschwindet die Hoffnung, dann sinkt auch die Widerstandskraft. Und er beschreibt ein Phänomen in seinem Lager: In der Woche zwischen Weihnachten 1944 und Neujahr 1945 gab es dort ein nie gesehenes Massensterben. Die schrecklichen Umstände hatten sich nicht verändert – damit konnte man es nicht erklären. Aber so viele Häftlinge hatten inständig gehofft, zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein. Als diese Hoffnung schließlich enttäuscht wurde, verloren sie jeden Lebensmut, sie gaben sich auf. Ihre Widerstandskraft war weg und infolgedessen starben ungemein viele von ihnen.

Nichts mehr haben, worauf man seine Hoffnung setzen kann. Keine Zukunft, keinen Sinn im Leben zu sehen, ist über kurz oder lang tödlich.

Frankl bestätigt, was Nietzsche mal sehr prägnant auf den Punkt gebracht hat: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Dieses „Warum“ ist oftmals ein geliebter Mensch, für den jemand durchhalten will, den er wiedersehen will, für den er da sein möchte. Das „Warum“ kann auch eine Aufgabe sein, die jemand zu erfüllen hat. Ein Werk, das er noch tun, zu Ende bringen möchte. Ein Bild von der Zukunft, wie sie sein könnte.

Was sich in der krassen Lagersituation zeigte, stimmt auch für das normale Leben. Wer dieses „Warum“ nicht hat oder wem es wegbricht, bei dem entsteht eine Leere in der Seele, ein Loch, das Frankl „existentielles Vakuum“ genannt hat. Und jedes Vakuum will gefüllt werden. Da entsteht ein großer Sog. Und so ist es auch mit dem Loch in der Seele. Es will gefüllt werden – mit Zukunft, mit Sinn, mit etwas, wofür es sich zu leben (und ggf. auch zu leiden) lohnt. Wozu es lohnt, durchzuhalten. In einer Krise durchzuhalten.

Und wenn das Warum nicht da ist, müssen andere Mittel herhalten. Ein Jugendlicher, der von seiner Zukunft nichts erwartet, stopft dies Loch vielleicht mit stundenlangem Medienkonsum. Ein überforderter Angestellter greift womöglich regelmäßig nach einem Cognac und die gestresste Mutter nach Beruhigungstabletten. Das Loch in der Seele, die Sehnsucht nach Leben und Sinn müssen irgendwie beruhigt werden. Ich denke, jede und jeder hat da so eigene „Auswege“ und „Abkürzungen“ und ist einem anderen Sog ausgesetzt, den das innere Vakuum erzeugt. Wir füllen uns ab, dröhnen uns zu, arbeiten uns krank, um die Leere nicht zu spüren.

Jede und jeder mag sich selbst prüfen, womit er oder sie die Leere am liebsten füllt. Jetzt in der Pandemie oder auch sonst.

In Epheser 5,18 wird auf diesen Zusammenhang hingewiesen – auf eine indirekte, aber doch deutliche Weise. Da heißt es im Lutherdeutsch:

Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. (Epheser 5,18) Die Bibel im Lutherdeutsch sagt, wie es ist: „Sauft euch nicht voll…“ Da steht einem direkt vor Augen, wie ein gähnendes Loch aufgefüllt wird… Und ich denke, der „Wein“ steht hier für alles, womit wir uns vollsaugen und volllaufen lassen. Egal, ob es durch den Mund oder die Augen geht.

Aber die Bibel begnügt sich zum Glück nicht mit niederschmetternden Diagnosen und dem „Tu das nicht!“, sondern zeigt sogleich auf, wie es richtig gehen könnte: „Lasst euch vom Geist erfüllen.“ Da fällt mir auf, dass dies keine Aufforderung zum Tun ist, sondern zum Empfangen. Das eine lassen (Wein saufen) – tut das nicht (aktiv). Das andere können wir nur geschehen lassen: „Lasst euch … erfüllen!“ Wir brauchen die Bereitschaft dazu. Empfangsbereit sein, die leeren Hände Gott hinhalten. Er füllt sie. Wir können das nicht selbst. Gott will uns mit seinem Geist, also mit sich selbst erfüllen. Seine Gegenwart soll sich in uns ausbreiten, in unserem Leben, unserem Körper, unserer Seele, unserem Geist. Nur so wird das Loch in der Seele gefüllt und der verhängnisvolle Sog des Vakuums unterbrochen.

Ohne den Kontakt zum Schöpfer leidet das Geschöpf und sucht Ersatz. Irgendwas. Wir haben vorhin Psalm 8 gehört. Ein Psalm, der beschreibt, wozu der Mensch bestimmt ist. „Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, das Menschenkind, dass du dich seiner annimmst? Kaum geringer als Gott – so hast du den Menschen geschaffen. Du schmückst ihn mit einer Krone – so schenkst du ihm Herrlichkeit und Würde.“ (Psalm 8,5-6).

Der Mensch als Gegenüber von Gott! Welche Würde! Gott denkt an uns. Gott hat Sehnsucht nach seinen Menschen. Nach dir und nach mir. Deshalb bleibt etwas leer in uns, wenn wir auf diese Sehnsucht nicht antworten.

Der Sinn im Leben

Ich komme nochmals auf Frankl zurück (er hat halt viel zum Sinn geforscht und so seine Logotherapie entwickelt): Er sagt – und das ist heute wohl noch wichtiger zu verstehen als zu seiner Zeit - Glück ist immer nur ein Nebenprodukt. Es „fällt ab“, wenn wir eine sinnvolle Erfahrung machen.

Was nun meint das Wort „Sinn“ eigentlich genau? Es meint zunächst ein Ausgerichtet-Sein auf ein Ziel, auf etwas anderes hin. Uns Menschen reicht es nicht, nur auf uns selbst bezogen zu sein, wir sind uns nicht selbst Sinn. Es reicht nicht, bloß das eigene Gesicht im Spiegel wahrzunehmen. Unsere Sehnsucht richtet sich immer auf mehr, als wir selbst sind. Meine Identität, mein Ich-Bewusstsein baut sich auf in der Resonanz auf andere, also von außen nach innen. Ein Baby könnte ohne diese Resonanz nicht überleben. Folie „Ich werde am Du“ so hat es der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber einmal ausgedrückt. Wir sind als Wesen geboren, die Gemeinschaft brauchen und lieben wollen.

Andererseits gehört zur Selbstwerdung auch, dass man sich abgrenzt vom Du, sich auseinandersetzt mit dem Gegenüber.

Denn wer sich nur am Du festmacht, der geht auch in die Irre. Da braucht jemand es so sehr, gebraucht zu werden! So werden diejenigen, denen er hilft, Mittel zum Zweck, Mittel den eigenen Wert zu steigern. Man spricht dann vom Helfersyndrom. Oder noch extremer: Einer wird dem anderen hörig. Gibt sich ganz und gar selbst auf und tut manchmal sogar furchtbare Dinge aus vermeintlicher „Liebe“…

Ein Mensch braucht also auch „Selbststand“, er muss fähig sein, die eigene Mitte zu finden und all die Lebensenergien, die einen manchmal auch in ganz verschiedene Richtungen ziehen wollen, zu bändigen. Sozusagen „Herr oder Herrin im eigenen Haus zu sein.“ Bei sich zu sein.

Gott hat den Menschen wunderbar erschaffen und dem menschlichen Geist diese doppelte Fähigkeit geschenkt: Einerseits solch einen Selbststand zu gewinnen und andererseits aus sich herauszukommen, sich selbst zu vergessen, sich hinzugeben… Das ist das Besondere am Menschen: Bei sich und außer sich sein zu können. Aus dem Selbststand in die Hingabe überzugehen, sich aus Freiheit anzuvertrauen.

Wenn ich mich hingebe – an eine Aufgabe, an einen Menschen, an Gott – erfahre ich Sinn. Wenn ich jemandem gut tue, wenn ich jemandem beistehe, wenn mir etwas gut gelingt und Bedeutung hat, was ich tue, dann macht es mich glücklich. Ich erfahre mein Leben als sinnvoll und es entsteht das wunderbare Nebenprodukt: „Glück“.

Was möchtest du mal werden im Leben? Antwort: „Glücklich!“ Schwierig! Glück kann nie das Ziel sein. Glück entsteht nebenbei…. Wenn ich „Glück“ auf direktem Weg erreichen will, brauche ich Hilfsmittel, Rauschmittel, Chemie… Das kann mich kurzfristig in eine gute Stimmung versetzten, aber wird mir langfristig schaden und das Vakuum in der Seele nur größer machen. Am Ende schade ich mir selbst und anderen… (Suchtgefahr!)

Die Frage nach dem Sinn ist keine Kleinigkeit. Und in Krisen müssen wir ihn immer wieder neu suchen. Darum ringen. Manchmal auch mit Gott ringen. Wenn unser Leben bedroht ist, kriegt diese Frage eine gewaltige Wucht. Aber latent ist sie natürlich immer da.

Denn das ganze Leben ist doch eigentlich ein „Provisorium ohne Termin“ – wir wissen, dass wir hier nichts Bleibendes haben – wir haben hier „keine bleibende Stadt“ (Hebr. 13,14) und wir sind nur „Gast auf Erden“ (Ps 118,19). Wir wissen auch nicht, wann der „Umzugstermin“ in die himmlische Welt angesetzt ist.

Aber das Tolle ist, das wir trotzdem ein Bild von der Zukunft haben. Wir haben Hoffnung und deshalb auch Widerstandskraft. Denn wir warten auf Gottes neue Welt, auf die zukünftige Stadt, auf die von Jesus vorbereitete Wohnung, auf das gigantische Festmahl in Gottes Gegenwart. Mit ihm an einem Tisch! Die Bibel zeichnet kraftvolle Bilder, die uns ein umfassendes „Warum“ fürs Leben geben. Deshalb hier das Leben meistern und gestalten – so gut es geht. Und auch das Leiden, das dazu gehört, ertragen. So gut wir es können. Denn wir tragen eine Hoffnung im Herzen. Ein Bild von der Zukunft, von Frieden, Freude, ungetrübter Gemeinschaft.

Vorgeschmack davon gibt es schon in diesem Leben und irgendwann ungetrübt und vollkommen in Gottes neuer Welt.

Amen

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich,

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

 

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